Mittwoch, 11. November 2009

4. Tag - Zu Besuch bei der Abhainn Dearg Distillery



Auf einen Tipp, den mir Robin Laing bei seinem letzten Konzert in Sta. Maria gab, besuchte ich die Abhainn Dearg Distillery in Carnish, Abhainn Dearg bedeutet ins deutsche übersetzt "Roter Fluss" und wenn man sich das Wasser dieses Flusses anschaut, vor allem wenn es mit dem Meerwasser in Kontakt kommt, dann weis man auch warum. Mark Tayburn führt mich durch seinen neuen Betrieb, letztes Jahr floss der erste New Spirit in die Fässer und heute in meine Kehle - schade, dass ich noch Auto fahren will. 200 bis 300 Liter will er pro Woche produzieren , bis 600 Liter, so sagt er mir wäre möglich. Mark ist der Erste seit 170 Jahren, der offiziell wieder auf den Äusseren Hebriden Whisky macht, "macht" ist auch das richtige Wort, denn der einzige Computer der Distillery ist zur Beantwortung der Emails.

http://www.abhainndearg.co.uk

3. Tag - Sonntag ist Kirchentag...


...jedenfalls auf den Äusseren Hebriden, fasst alles ist zu, die Restaurants und selbst der öffentliche Nahverkehr ruht hier. Wer hier nicht selbst mobil ist, schaut in die Röhre. Anstatt in die örtliche Kirche zu gehen besuche ich einen alten Chief der Macleod's, Roderick VII. Leider komme ich etwas zu spät zum Treffen, den Roderick Macleod verstarb schon 1498 und so bleibt mir nur sein Grab, welches in der verfallenen St. Columba Church liegt. Danach ging des die Ostküste von Lewis hinauf, zur „The Bridge to Nowhere“. Die Strasse an der Ostküste wurde nie zu Ende gebaut und somit endet auch die schmale Asphaltdecke direkt an der Brücke. Dafür entschädigt mich Traigh Mhor Beach, ein wunderbarer Strand in der Nähe der Brücke, zum baden dürfte es für mich aber ein paar Grad mehr haben und so bleibt mir nur die tolle Aussicht zu geniessen.

2. Tag - Ans obere Ende, „Butt of Lewis“ und noch ein paar Steine


Lewis zeigt sich von seiner besten Seite – SONNE und das den ganzen Tag. Also nichts wie los zum nördlichsten Punkt, an den Linksverkehr hatte ich mich schnell gewöhnt nur beim anschnallen im Auto greife ich zuerst noch immer ins Leere, denn der Gurt hängt rechts.

Je mehr man die grösseren Ortschaften hinter sich lässt, um so schmaler werden die Strassen, single roads genannt. Die schmale Strasse endet dann auch direkt am Leuchtturm und an der Steilküste, Butt of Lewis ist erreicht. Schon von weitem hört man hier das Grollen der Brandung, ein wahres Naturschauspiel, nicht weniger spektakulär als die Brandung am Mealabost Bhuirgh, einem Küstenabschnitt, der ein paar Kilometer südlicher an der Westküste liegt. Hier gibt es keine grösseren Felsen und so können die Wellen bis zum Strand auslaufen. Es wahres Surferparadies, wenn das Wasser nicht so kalt wäre. Weiter die Küste hinab ging es dann nach Arnol und seinen Black Houses, eins davon noch im Original Zustand, inklusive dem Torffeuer in der Mitte des Wohnbereichs – klasse, ich bin noch abends „peated“. Dann doch lieber einen rauchigen Whisky. Für den Rest des heutigen Tages beschränke ich mich lieber auf „outdoor“ Besuche und schaue mir noch den grössten Steinkreis der schottischen Inseln, die Callanish Stones an.

1. Tag - Ankunft in Stornoway am 06.11.09


Vorwort: Mein grösstes Problem auf den Hebriden ist es eine Internetverbindung zu bekommen, darum kann ich meine Berichte leider nicht täglich einsetzen.

Endlich angekommen – gestern war in Edinburgh Schluss und mein Anschlussflug nach Stornoway startete heute Morgen um sieben Uhr. In der Maschine, die zuerst nach Inverness flog, sassen mit mit noch sieben weitere Personen, Platz hatte sie für 34 Personen. Es war arschkalt, nicht nur draussen, sondern auch innen im Flieger. Die Bordkarte hatte nicht viel zu bedeuten, den auf ihr angegebenen Sitzplatz durfte ich nicht einnehmen. An Bord wurde man von der Stewardess, die sich selbst als Cabincrew bezeichnete, obwohl sie allein war, je nach Körpergewicht verteilt. Warum ich als Fliegengewicht in der letzten Reihe sitzen musste, wurde mir allerdings auch nicht klar.

In Inverness wurde ich dann umgesetzt – einen Platz nach vorn, denn ab Inverness war dieser Platz für einen besonderen Gast reserviert. Dieser kam mit Armschmuck an Bord, an jedem Arm einen silberen Armreif. Diese waren auch noch mit einer Gliederkette miteinander verbunden. Zwei „Leibwächter“ hatte er auch noch und da der Typ direkt hinter mir sass, hatte ich während des kurzen Fluges ständig so ein seltsames Gefühl im Nacken. Sichtkontakt hatten wir, mal abgesehen von Start und Landung überhaupt nicht, die Wolken waren wohl für den kleinen Flieger zu hoch und so waren wir die ganze Zeit in ihr gefangen. Lewis zeigte sich bei der Landung und auch am weiteren Tag von seiner „nassen“ Seite, Regen, Regen, Regen. Den ersten Nachmittag nutzte ich in Stornoway zur ersten Orientierung und besuchte unter anderem das örtlich Museum, leider befinden sich die Original Lewis Schachfiguren nicht mehr in diesem Museum und so muss ich mich mit ein paar Kopien zufrieden geben. Beim örtlichen Kiltmaker, eigentlich müsste man in diesem Geschäft Kiltmakerin sagen, schaute ich auch hinein – was für herrliche Tartans... und egal welchen Laden ich an diesem Tag betrat, jede Verkäuferin oder Verkäufer entschuldigte sich für das schlechte Wetter. Ich fand es gar nicht so schlecht, für mich war es schottisch.

Dienstag, 3. November 2009

Zu den Inseln der Fremden - Na h- Innse Gall

"Nah der See vergisst man die Tage zu zählen..."
Stolz stehen sie am nordwestlichen Rand von Europa: eine mehr als 200km lange Inselkette voller Strände, vielfältiger Natur- und Tierwelt, Kultur und Abenteuer. Ein Paradies für Outdooraktivitäten jeder Art und der perfekte Ort für Erholung und Entspannung.



So steht es auf der Homepage "Visit Hebrides", Grund genug für mich dort mal vorbeizuschauen, am nächsten Donnerstag geht es los und ich werde wieder täglich über Land und Leute berichten.


Donnerstag, 20. August 2009

Kleine Reise im Kilt



07.17 Uhr, es ist noch sehr früh für mich, hatte ich doch die Bar erst gegen 1.00 Uhr in der Nacht geschlossen. Aber das ausserordentliche schöne Wetter, es ist kein Wölkchen am Himmel, entschädigt für das frühe Aufstehen. Der Tageszeitung entnehme ich, dass uns heute einer der heissesten Tage des Jahres bevorsteht. Auch in meinem Zielgebiet Hannover sollen heute Mittag weit über 30°C erreicht werden. Was für ein Glück, heute einen Kilt gewählt zu haben.

Wenn man ins Engadin kommt, oder so wie ich verlässt, sollte man tunlichst mit der Rätischen Bahn reisen. Nur so kann man, vor allem an einem so schönen Tag, das gewaltige Naturschauspiel der Berge geniessen. Die Bahnstrecke von Samedan über Bever, Preda, Bergün und Filisur ist für mich eine der schönsten Strecken in der Schweiz.

Die Strecke ab Chur bis Zürich ist weniger spektakulär, einzig der ältere Herr, der mich auf Englisch ansprach und fragte ob ich Schotte sei und bei meiner Verneinung herzlich lachte und der in der SBB ausgeschenkte Lavazza Kaffee, sind hier erwähnenswert. Wer einmal den Kaffee in der Deutschen Bahn geniessen musste, weiss was ich meine.

Dann doch noch, beim Aussteigen auf dem Züricher Hauptbahnhof, ein gut gekleideter Herr sprach mich mit den Worten „steht ihnen ausserordentlich gut“ an und verschwand dann in der Menschenmenge des Bahnhofs, vielleicht ein Schneider?

Zürich Flughafen – Wer mit Swiss fliegt, kann gleich auf der ersten Flughafenebene, oberhalb des unterirdischen Zugverkehrs einchecken. Die freundliche Mitarbeiterin der Swiss weist mir auf Englisch den Weg zum richtigen Counter da ich schon tags vorher online eingecheckt hatte und nur noch mein Gepäck abgeben muss. Hier steht Diana und erledigt souverän ihren Job. Dann geht es zur Pass Kontrolle, die freundliche Dame der Kantonspolizei Zürich kann es sich nach der Sichtung meines Passes nicht verkneifen zu fragen: „Da gibt es doch diese eine Frage...?“ Ich antworte ihr mit einem Lächeln.

Jetzt komme ich zu Sarah, sie arbeitet bei der Handgepäckkontrolle und ruft lieber gleich einen Kollegen zu Hilfe, als es darum geht meinen Sporran und meinen Kiltgürtel abzulegen – es hätte ja sein können, das sich hier „diese eine Frage“ von selbst beantwortet. Aber wie hiess es doch schon früher in der Werbung?

„12.00 Uhr Zürich Flughafen, die Sonne brennt – der Kilt hält“ - oder jedenfalls so ähnlich.

Pünktlich wird der Flug LX816 aufgerufen, die Maschine, eine Avro RJ85/100, liebevoll Jumbolino genannt ist klar zum Einstieg. Ich warte mit den anderen Passagieren auf den Shuttle Bus der uns zum Flieger bringt. „Schau mal Mami, wer hier alles mitfliegt", sagte ein Mädchen zu ihrer Mutter, Japaner oder Chinesen, Schwarzafrikaner ein Schotte..., jedenfalls sieht er so aus. Ich stutze, hatte ich doch die ganze Zeit geschwiegen, aber irgend etwas muss mich verraten haben.

Kurz vor dem Einstieg schiesse ich noch ein Foto von dem Swiss Flieger, der Farbtupfer in meinem Bericht, und begebe mich auf meinen Platz im Heck der Maschine. Roman, Flight Attendant bei Swiss, bringt ein Laugenbrötchen und Kaffee. Er gehört klar einer Minderheit an, den nur 29% der Flugbegleiter bei Swiss sind männlich, schreibt jedenfalls das Magazin, welches mir im Flieger zur Verfügung steht.

Zurückkommend zum Kaffee, er schmeckt noch etwas besser als das schwarze Heissgetränk der SBB. 1:0 für die Kaffeeröster der Swiss, auf mein Nachfragen zeigt mir Roman das Tütchen, Nescafe Gold steht darauf. Letztendlich alles eine Frage des Geschmacks, oder wie Thomas Ide im vorherigen Text zum Whiskytasting sagt:

„Das Motiv für vollkommenden individuellen Genuss, ist so einmalig wie die Menschen, die danach streben.“

Nach knapp einer Stunde ist einer der ruhigsten Flüge, die ich je hatte, zu Ende und Hannover empfängt mich mit 37°C.

Bin ich froh einen Kilt anzuhaben.

Dienstag, 18. August 2009

Kleine Reise im Kilt

Am kommenden Donnerstag geht es wieder einmal nach Norddeutschland. Ich freue mich immer, wenn ich meine Kinder besuchen kann und diesmal ganz besonders, denn meine Tochter hat Geburtstag.

Nur über die Jahre ist die Anreise recht langweilig geworden, mal abgesehen von der wunderbaren Aussicht auf die Berge Graubündens, die man auf der Zugfahrt von Samedan nach Chur geniessen kann. Aber dann zieht sich die Reise in die Länge und auch der Flug Zürich - Hannover, ist nicht mehr so interessant wie zu Anfang.

So kam mir die Idee, einmal im Kilt zu reisen. Meistens bin ich eh in diesem tollen Stück Stoff unterwegs, denn es ist so herrlich bequem. Hier im Blog werde ich dann am Donnerstag darüber schreiben...